[./artikel2.html]
[./vorwort.html]
[./vingtsun.html]
[./unterricht.html]
[./foto2.html]
[./artikel.html]
[http://michaelkurthvingtsun.freeforums.org/index.php]
[./links.html]
[./nachwort.html]
[./film.html]
[./index.html]
[Web Creator] [LMSOFT]
Artikel:

1. Ving Tsun - das etwas andere strategische Konzept
2. Chi-Sao - eine oft falsch verstandene Übungsmethode
3. 108, 116, 132 - über die Unveränderbarkeit der Formen
4. Ving Tsun gemixt mit anderen Stilen
5. Sparring mit Schutzbekleidung - Sinn oder Unsinn?
6. Falsche Vorstellungen durch Pseudorealismus
7. Ving Tsun - Kampfkunst, Selbstverteidgung oder schlichtweg Kung Fu?
8. Ving Tsun - leicht erlernbar und passend für jedermann?
  
Ving Tsun - das etwas andere strategische Konzept
Den Gegner in seinem Angriff hinein angreifen...
Im Gegensatz zu vielen anderen Kampfstilen setzt Ving Tsun beim Training nicht auf
die Simulation bestimmter Angriffe und entsprechender 'Antworts'-sequenzen, sondern
investiert die gesamte Zeit und Energie in eine quasi 'Verhaltensmodifikation'.
Es werden bestimmte, für den Kampf relevante Verhaltensattribute erarbeitet (siehe
hierzu auch unter Unterricht), die dann einhergehen, mit der Strategie, den Gegner
als zentrale Angriffssymptomursache, im Moment seines in die Kampfdistanzkommens auszuschalten.
Nach dem Motto:
Ist der Angreifer an sich außer Gefecht, kommt es auch zu keinem weiteren Schlag, Tritt, Hebel oder Wurf mehr.
Anstelle sich mit der unglaublichen und unvorhersehbaren Vielzahl von Variablen
auseinanderzuseten, versucht das Ving Tsun lieber die Dinge in ihrer prinzipiellen
Einfachheit zu sehen, Zusammenhänge und Geschehnisse zu simplifizieren
und entsprechend auf einfachstem, direktesten und schnellstem Wege zu lösen   
            
Chi-Sao - eine oft mißverstandene und falsch ausgeführte Übungsmethode

Chi-Sao ist eine der zentralen Übungen des Ving Tsun-Stils.
Zumeist mit 'Klebende Hände' wiedergegeben, verleitet diese Übersetzung zu großen Mißverständnissen und spiegelt nicht die tatsächliche weitreichende Bedeutung für die Entwickelung der kämpferischen Fertigkeiten des Praktizierenden wieder.
Tatsächlich geht es in diesem Übungskomplex weder nur um die Hände / Arme, die Gesamtheit des Körpers und Geistes ist vielmehr gefordert, noch wird ein 'Kleben' , sprich ein passives Folgen der
Gegnerischen Arme, ein Fixieren auf diese, angestrebt, da dieses ein dem Gegner und dessen Agieren Ausgeliefertsein bedeuten würde (dass dieser hilft sich selbst zu besiegen, dürfte ja wohl eher unwahrscheinlich sein).
Ein weiteres weit verbreitetes Mißverständnis bzgl. dieser Übung ist, daß es sich dabei um ein(e) Gefühlstraining / -schulung handelt, und zwar in dem Sinne, daß der Anwender rein aufgrund seines Tastsinnes den Gegner besiegen kann.
Richtig ist schon, daß bestimmte Kontaktreflexe entwickelt werden, nur diese von unseren anderen Sinnen abzukoppeln und zwar mit der Begründung, daß dieser Sinn nicht manipulierbar sei, entspricht a. nicht der Realität und wäre b. unklug (warum sollte man auf Vorteile freiwillig verzichten???).
Gerade im Ving Tsun benutzt man Druck (via Tastsinn) eben oft auch dazu, um den Gegner zu bestimmten Aktionen zu verleiten und das sehr erfolgreich.
Stellt sich also nun die Frage, was, bzw. wofür ist diese Übung, warum hat sie eine derart große Bedeutung und besteht ihre Relevanz nur bei Kontakt (z.B. Infight)?
Zu Beginn gilt es, ganz bestimmte allgemeine, kampfrelevante Verhaltensweisen zu schulen, die bei
diesem System mit dessen Konzeption (sicherlich bei vielen anderen Stilen entsprechend ihrer Ausrichtung auch) von wesentlicher Bedeutung sind:
- Ausrichtung (frontal dem Gegner zugewandt stehen)
-Gleichzeitigkeit (beide Arme kommen voll zum Einsatz)
-Strukturaufbau (Kraftübertragung-Einsatz der Gesamtkörpermasse)
-Distanz ('ein Gefühl dafür entwickeln', in welcher Entfernung ich mich zum Gegner befinden muß, um diesen effektiv treffen zu können, bzw. entsprechend, ob der Gegner mich effektiv erreichen kann).
Schreitet man in den Übungen weiter fort, so kommen auch die anderen wesentlichen Aspekte voll zur Geltung, die da sind:
-Timing (wann muß ich mich bewegen)
-Verständnis der einzelnen Techniken
und letztlich der große Komplex, der letztlich überall dann zum Einsatz kommt, 'strategisches Verhalten und Verständnis'.

All diese Fertigkeiten, betrachtet man diese in ihrer Essenz, sind nicht nur Aspekte des Infights, sprich wenn bereits Kontakt besteht, sondern sind wesentlich in allen Bereichen, Distanzen einer Auseinandersetzung:
Wie positioniere ich mich, meine Waffen im Raum, in Relation zum Gegner.
Wann bewege ich mich rein oder raus und in welche Richtung.
Kann der Gegner mich effektiv treffen, bzw. erreiche ich ihn wirklich mit voller Kraft.
Wie greife ich am besten an, wie schütze ich mich am sinnvollsten, usw., usw..
Sprich alle Aspekte des benötigten Verhaltens/der benötigten Fähigkeiten können er-/bearbeitet
werden.
'Können bearbeitet werden' und da liegt wieder ein wesentlicher Knackpunkt, sprich Gefahrenquelle,
wie aus einer perfekten Übung günstigstenfalls eine 'Nullrunde' wird, ungünstigstenfalls sogar das
Verhalten negativ beeinflußt (z.B. fehlerhaftes Distanzgefühl, den gegnerischen Händen hinterherjagen,
Einsatz von Mitteln, die in der Folge die Aufgabe weiterer Optionen bedeutet, usw.), falls nicht genauestens auf die Umsetzung / Einhaltung der Prinzipien und Konzepte geachtet wird.
Auch darf das Chi-Sao-Training nicht zu einem Ego-Konkurrenzkampf werden, wo es darum geht, selbst bloß nicht getroffen zu werden und denn anderen, am besten noch als Revanche, zu treffen denn daraus können ebenfalls eine Vielzahl von Fehlern (ungünstigem Kampfverhalten) entstehen, wie z.B.
zu sorgloses Angreifen, Wegdrehen, Wegdrücken, Gegenhalten, Festhalten, u.V.m..

Versucht man also stets diese Vorteile zu erlangen und ist andererseits bemüht, die Fehler zu meiden,
hat man eine Übung, die einem in der Entwickelung wirklich weiterhelfen kann.
Insofern:
Gutes (qualitatives) Üben.
Gruß
Michael