[./artikel.html]
[./vorwort.html]
[./vingtsun.html]
[./unterricht.html]
[./foto2.html]
[./artikel.html]
[http://michaelkurthvingtsun.freeforums.org/index.php]
[./links.html]
[./nachwort.html]
[./film.html]
[./index.html]
[Web Creator] [LMSOFT]
108, 116, 132 - über die Unveränderbarkeit der Formen

Ein beliebtes Streitthema der diversen *ing*un-Sippen ist die Frage nach der letztlichen
Authenzität. Diese wird nur allzu gerne an den Formen festgemacht, insbesondere an
der Anzahl und Abfolge der Techniken.
Stellt sich nur die Frage, was ist Ving Tsun, bzw. wofür ist es da, inklusive seiner gesamten
Übungen?
Aufgabenstellung war doch wohl, und so sollte es meines Erachtens nach auch heute noch sein,
dass man erlernt, sich im tatsächlichen Krisenfall zu behaupten.
Das Ving Tsun stellt nun eine Möglichkeit dar, wie man eben dieser Zielsetzung näher kommt,
sprich man sich sowohl ein strategisches Konzept, wie die notwendigen körperlichen
und geistigen Voraussetzungen aneignet.
Dabei sollte es eigentlich so sein, dass die 'Hilfsmittel' dem Ziel zuarbeiten und nicht umgekehrt, diese zum Selbstzweck werden.
Entsprechend sollte jede situativ notwendige Modifikation (z.B.) der Formen ohne Zögern von statten gehen, wenn es eben hilfreich ist.
Andererseits muß man aber auch ebenso schnell bereit sein, Sachen, die sich als problematisch,
'schlechtes Verhalten' produzierendend, erwiesen haben, wieder zu korrigieren.
Stur und starr an sinnlosen Äußerlichkeiten festzuhalten zeigt nur, in was für einer wirklichkeitsfremden
Isolation man sich befindet. Viel besser ist es da, konstruktiv experimentell und offen zu sein.
Schließlich soll einem das Sytem helfen und nicht umgekehrt, wir von diesem gefangen sein.      
            
Ving Tsun gemixt mit anderen Stilen

Tatsächlich ist Ving Tsun ein spezielles System, daß sich eben mit einer ganz spezifischen Problemstellung auseinandersetzt:
Dem Überleben im regellosen Straßenkampf.
D.h. in Bezug auf Auseinandersetzungen geht man davon aus, daß es weder irgendwelche Schutzbekleidung (Kopf, Körper, Beine, Fäuste),
noch weiche Untergründe (z.B. Mattenboden) und auch keine fair denkende und handelnde Gegner (plus evtl. 'kollegialen' Anhang) gibt.
Entsprechend ist das gesamte strategische Konzept (und so natürlich auch die Trainingsarbeit) konzipiert:
Lernen, einen Gegner schnellstmöglich und mit dem geringst möglichem Risiko auszuschalten.
Ändert sich aber die konzeptionelle Zielsetzung, und so zwangsläufig auch die Voraussetzungen / Gegebenheiten, so muß auch die
Trainingsarbeit entsprechend modifiziert werden.
Meidet man z.B. auf der Straße den Boden, so gibt es heute, insbesondere in der MMA-Szene, viele Akteure, die sich gerade
auf diesen Bereich spezialisiert haben.
Ein anderer, nicht zu unterschätzender, Unterschied ist die Länge der Auseinandersetzung: Nicht nur durch die Erfahrung und Versiertheit
der teilnehmenden Opponenten kann sich die Kampfzeit in die Länge ziehen, sondern auch Schützer beeinflußen Wirkung ausgeteilter
Treffer. Problematisch sowohl für Psyche, aber eben auch besonders für die Physis (kostet doch wirklich jede Aktion immens an Kraft).
Was ist also zu tun?
Jeweils den passenden Stil für den passenden Gegner erlernen?
Immer weiter das eigene System mit neuen Teilen aufblähen?
In der Tat muß man sich mit der jeweiligen Problemstellung auseinandersetzen.
Allerdings sollte man erst einmal im eigenen System schauen, was dort für Möglichkeiten zu finden sind und entsprechend diese
Möglichkeiten primär ausbauen / entwickeln / verstärken.
Erst, wenn tatsächlich man davon ausgehen muß, daß aufgrund ganz besonderer situativer Umstände das System keine direkten
adaptiven Elemente enthält, kann/muß man extern nach Lösungsansätzen suchen.
Wobei man immer die Problematik der widersprüchlichen konzeptionell strategischen Ansätze bedenken muß:
Z.B. unterschiedliche 'Waffen'-Favorisierung bedingt unterschiedliche Distanzen. Verschiedene Wege oder auch verschiedene
Formen der Krafterzeugung produzieren wiederum unterschiedliche Art und Weise des Agierens.
Falsch Kombiniertes, oder das zu frühe Verlassen des eigentlich favorisierten Konzeptes (Stichwort: Von jedem etwas, allem das Beste...)
kann leicht in der situativen Konfusion (Verwirrung, Zögern) enden und so zu ensthaften Problemen führen.
D.h. also in Konsequenz:
Sich also schon bewußt auf entsprechende Anforderungssituationen vorbereiten. Diesbezüglich ist es sehr sinnvoll, sich dann auch mit
Spezialisten des jeweiligen Gebietes auseinanderzusetzen. Sei es nun tatsächlich um Unterricht zu erhalten, oder auch nur um
praktische Erfahrung mit anderen Arten des Agierens zu sammeln (um so dann eben die eigenen Strategien zu entwickeln).
Inwieweit man dann tatsächlich systemfremde Elemente übernimmt oder sich doch besser auf die eigenen vertrauten Mittel verläßt,
hängt von jedem einzelnen ab.